Der gehobene Stil

Gedicht Nr. 5 aus meinem ersten Zyklus wird nicht so gut herüberkommen. Konsequenz ist das Stichwort. Da sich hier bereits in “Ebendar” Die “Rated-R”-Mentalität eingeschlichen hat, bleibt mir nichts anderes übrig, als hier auch zu zensieren, und zwar exzessiv. Leider habe ich mir im Vorhinein nicht die Mühe gemacht, mir alle Werke in Ruhe noch einmal anzusehen. Ich wollte mich selbst überraschen lassen. Und wie es das Schicksal so will, stellt sich das heutige Stück leider nicht viel kooperativer dar – im Gegenteil. Denn über die Hälfte des Gedichts fällt hier dem Schwarzmarker zum Opfer. Warum ich es trotzdem veröffentliche? Ansonsten würde eben ein Fünftel (und nicht minder schwerwiegend: Das Schlusskapitel) des Zyklus schlicht fehlen, so ist es etwas weniger. Die ironische Aussage, die wir bereits aus “Ebendar” kennen, lässt sich dennoch gut herauslesen, auch wenn man nicht weiß, was sich hinter den beleidigt anmutenden Gesichtszeichen verbirgt. Und all das ist auch gut so.

 

Der gehobene Stil

☹ ☹ am ☹

☹ ☹ ☹ mal

Halt ☹ ☹☹

☹☹ dich du ☹☹ ☹

 

☹ ☹ ☹ ☹

☹☹ ☹☹

☹☹ ☹☹☹☹

☹☹☹ ☹☹

 

☹☹, ☹☹, ☹☹

☹☹, ☹☹, ☹☹

☹☹☹, ☹☹☹, ☹☹☹

☹☹☹, ☹☹, ☹☹☹

 

sind allesamt Wörter, die

meiner bescheidenen Meinung nach

der niveauvollen Konversationsweise

in keiner Form angehören

 

(Die hier geschwärzten Textstellen sind dem Autor bekannt.)

Letzten Endes finde ich, das Ihr mir dankbar sein könnt. Ganz davon losgelöst, dass heute Sonntag ist und ich Euch an diesem langweiligen Tag einige Minuten der Entspannung dadurch anbiete, dass Ihr hier jemanden vorfindet, der sich nicht zu schade ist, sich durch die Veröffentlichung seiner kreativen Ergüsse seiner Schulzeit (bzw. Deutschstunden) eine Blöße zu geben, die jeden anderen davon abhalten würde, sich je wieder unmaskiert auf der Straße blicken zu lassen. Davon abgesehen, dass es sich bei der hier angestoßenen Verbreitung früher Gedankengänge eines damals nicht nur mit sich unzufriedenen Schattengestalt des deutschen Schul-, aber auch Lyrikwesens um die Rebellion gegen die heutige gesamtgesellschaftliche Zurückhaltung, ja, Verklemmtheit handelt, und das obwohl ein so großer Teil des versunregelmäßigen Sechzehnzeilers hier (und wüsstet Ihr den Originaltext, würdet Ihr aufschreien: ZU RECHT!) dem Zensurapparat zum Opfer fallen musst.

Nein. Hier versucht jemand, sein Blog am Leben zu halten. Konsequenz ist also nicht nur hinsichtlich des angesprochenen Zensurapparates (der nebenbei sogar mit meiner wissenschaftlichen Beschäftigung zu tun hat) das Stichwort. Ich breche nicht einfach einen fünfteiligen Zyklus mitten im großen Finale ab, nur weil mehr als die Hälfte davon nicht veröffentlichungswürdig ist. Ich ziehe es durch. Ich erhebe die Hand gegen die Konventionen. Ich widerstehe! Um es mit den Worten von Kurt Tucholsky zu sagen, wie sie im Herren-WC im RUB-Gebäude GB im südlichen Treppenhaus auf Etage 1 am linken Urinal zu lesen sind: “Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!”

In diesem Sinne: Einen schönen Sonntag!

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2 thoughts on “Der gehobene Stil

  1. 🙂 NEIN!
    gut gebruellt, tiger.

  2. jetzt aber mal ganz im ernst… glaubst du wirklich, dass worte wie ☹☹, ☹☹☹☹, oder gar ☹, und allgegenwaertige ausdrucksweisen wie ☹☹ ☹ ☹☹ keinen platz in der neuzeitlichen lyrik haben? wo bleibt da die realitaetsnaehe? wo bleibt der, – warte. lyrik darf ja gar keinen spass mehr machen, richtig? dafuer sind wir alle zu gebildet. ☹☹☹☹ nochmal! ☹☹☹, ☹☹ und ☹☹☹☹!

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