Prometheus – Eine Kritik (Spoiler)

Jetzt, wo ich eine Nacht drüber geschlafen habe, mal ein paar Gedanken zu Prometheus, weil der Film es allein aufgrund meiner schwer definierbaren Wahrnehmung der Erwartungen der Medien, meines direkten Umfelds (und nicht zuletzt meiner eigenen) verdient hat.

Als der Film begann, war ich zunächst fast überwältigt. Hier spielten mehrere Faktoren eine Rolle: Es war die OV in 3D in der Essener Lichtburg, die für jeden, der einmal dort war, einfach das Lieblingskino sein muss. Zweitens wird hier eine 3D-Technologie verwendet, die noch einmal andere Brillen benutzt als die, die ich bisher kannte. Diese Brille von Volfoni hat auf mich bisher den besten Eindruck gemacht. Ich bin jetzt kein 3D-Fanatiker, aber lehne es auch nicht ab, es sei denn, der Film wurde nachträglich – nur um nochmal damit Geld zu machen – umgewandelt.

Wie auch immer, der Anfang des Films ist einer von zwei Begeisterungspunkten. Etwa fünf Minuten lang prasselt eine einzige Bildgewalt auf den Zuschauer ein, so dass man regungslos im Stuhl sitzt und die Bilder auf sich wirken lässt. Gleich danach wechselt die Perspektive von außen nach innen, von spektakulären Natur- und Weltraumsequenzen ins innere des Schiffs, wo sich dann an 2001 und Solyaris erinnernde Szenen abspielen. Bizarr ausgewählte Begleitmusik, merkwürdiges Verhalten der Protagonisten, bei gleichzeitiger Ausschöpfung des gesamten Repertoires an moderner Technik, die es heute gibt, um das Gesamtpaket so darzustellen, wie man es heute wohl nicht besser machen kann. Bis nach etwa einer Viertelstunde dachte ich: Scott, wenn das so weitergeht, muss ich dir Dank sagen und ich muss mit dir natürlich auch anstoßen.

Das war es dann aber auch mit dem Höhepunkt der Begeisterung. Nach ein paar Minuten in der Haupthandlung beschlich mich bereits ein ziemlich merkwürdiges Gefühl. Als jemand, der Art dieser Szenen nur zu gut kennt, wusste ich sofort, worauf es in diesem Teil des Films hinausläuft. Die Crew wird vorgestellt, alle unterhalten sich zum ersten Mal, man lernt die Charaktere kennen, um hinterher, sozusagen wenn die Action loszuzimmern beginnt, leidenschaftlich mitzufiebern. Nur: This is not what happened. Not at all.

Vielleicht liegt es also auch an mir, aber diese Charaktereinführung kommt viel zu kurz. Es sind mindestens fünf, aber bis zu etwa zehn unterschiedliche Charaktere, die man in zehn Minuten so kennenlernen soll, dass man sich ihnen verbunden fühlt und ihnen ihr Verhalten im weiteren Verlauf wirklich abnehmen soll. Funktioniert hat das bei mir etwa bei einer bis zwei Personen. Wer den Film gesehen hat, wird mir zustimmen, dass es sich hierbei um Dr. Shaw und bestenfalls noch Dr. Holloway handelt. So wie ich das sehe, ist es auch ausschließlich die von einer sehr guten Noomi Rapace verkörperte Elizabeth Shaw, die wohl nicht zuletzt durch ihre sehr enge Anlehnung an Ellen Ripley den zunehmend abflachenden, wenn auch immer noch actionreichen Film wirklich am Leben hält.

Dabei habe ich durchaus verstanden, wie die einzelnen Charaktere ticken – zu klischeehaft ist hier tatsächlich der Cast ausgewählt worden – aber eben dies lässt mich darüber nachdenken, warum das so ist. Ridley Scott wird sich gedacht haben: “Die Zuschauer kennen diese Einsames-Raumschiff-Nummer. Wir sparen uns große emtotionale Einführungen und begrenzen das auf ein Minimum. Für diese Geschichte brauche ich ohnehin dasselbe wie immer.”

Und dasselbe wie immer ist es dann auch. Nacheinander fallen fast alle Crewmitglieder auf unterschiedliche Art und Weise der dunklen, unbekannten, geheimnisvollen, diabolischen Gefahr zum Opfer, von der zumindest alle, die in ihrem Leben einmal von der Alien-Saga gehört und auf diesen Film gewartet haben, ohnehin bereits wissen, dass es sich hier um die bekannten Monster aus den alten Filmen handelt, oder zumindest deren Vorfahren. Kurzum: Wir stolpern über verschiedene Aliens in neuen Formen und Farben, die dasselbe tun wie immer. “Neu” ist hier nur, dass den klebrigen Monstern hier noch eine andere Spezies zum Opfer fällt, die doch so viel stärker scheint als die menschliche.

Die relativ lose Bindung an die Alien-Story ist es auch, die mich am meisten ärgert. Prinzipiell ist nämlich keine vorhanden. Mir kommt das ganze so vor wie zwei verschiedene Folgen von Outer Limits. Es kommt die gleiche Lebensform vor, ja. Die Firma Weyland finanziert im Film den ganzen Trip und eine kaum glaubwürdige Charlize Theron leitet die Reise, zunächst vorgestellt als loyale Mitarbeiterin des großen alten Mannes Weyland, der seinem Schöpfer gegenübertreten möchte und daher einfach mal ein paar Billionen Dollar in einen interstellaren Ausflug steckt, um ein Team von Wissenschaftlern, Technikern und Sicherheitskräften, die sich allesamt nicht kennen, in einem über zweijährigen Hyperschlaf durch das halbe Weltall schickt, nur damit die sich auf dem schnellsten Wege von einer schleimigen, blubbernden Teersuppe umbringen zu lassen. Sicher, der Zusammenhang ist da. Ein Teil der Saga wird Prometheus dadurch aber nicht und ich stelle die Hypothese auf, dass der Film und seine Geschichte besser dran wären, hätte man all das weggelassen und einfach einen guten, neuen Science-Fiction-Film in die Kinos gebracht. Auch die fragliche Schlusssequenz ändert hieran nichts, denn nur sie ist es, in der man etwas tatsächlich altbekanntes ganz kurz wieder zu Gesicht bekommt. Da ist es aber nunmal bereits zu spät.

Und auch, wenn das ein guter Abschluss für meine Überlegungen gewesen ist, möchte ich doch noch auf den zweiten der oben erwähnten Begeisterungspunkte zu sprechen kommen. Etwas, was so noch nie in einem derartigen Film zu sehen war, weil es vermutlich insbesondere für die USA zu kontrovers ist, ist die spektakuläre “Selbstabtreibung”, die Dr. Shaw bei sich vornimmt. Ich bin sicher nicht der einzige, der hier das schockierendste Ereignis des Abends ausmacht, dessen Inszenierung mir sicherlich weitaus länger im Gedächtnis bleiben wird, als spätere Actionszenen, die möglicherweise als größere Spannungshöhepunkte gedacht waren.

Und so schließe ich mit einem weiteren “Es liegt vielleicht an mir,” aber der Rest ist ein alter Schuh in einem noch nichtmal so neuen Gewand. Nur sehen wir alles auf dem Stand der Technik von 2012, und das macht den Film sehenswert und das Geld für die Kinokarte gut investiert.

Ja, soweit ist es gekommen.

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One thought on “Prometheus – Eine Kritik (Spoiler)

  1. Mir sind da ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich war von Prometheus sehr enttäuscht – auch, weil die 3D-Effekt quasi nicht vorhanden waren, der Film aber (in Münster) gar nicht in 2D verfügbar war.

    http://wortsteinschwalbe.de/archives/2173

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