Appell

Appell

 

Dunkel war’s, der Fluss rauschte laut

als wir zusammen durch den Wald spazierten,

diverse Vögel sich ein Nest gebaut

und viele verrückte Dinge passierten

 

Erst, nicht weit von uns, da krachte es

Von einem Baum, da fiel ein Ast

Denn auch dort oben, in dem Geäst

des Nachts der Wald macht keine Rast

 

Plötzlich, vor uns, stand ein Reh

In diesem unberührten Stück

und es stand wie eine gute Fee

Es war nicht verletzt, es hatte Glück

 

Ich streckte langsam meine Hand

dem scheuen Tier verträumt entgegen

sofort doch war es hastig weg gerannt

Es hatte wohl an mir gelegen

 

Und die Moral, du solltest niemals nicht

ob’s dich berührt, das ist egal

sei immer Tag für Tag darauf erpicht:

denke drüber nach einmal

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Die Geschichte vom Wandrer und dem Schwein

Die Frequenz lässt wieder nach. Manch einer mag im Hinterkopf noch die Erinnerung irgendwo in eine alte Kiste geschoben haben: Da war ja was mit dem Max seinen dämlichen Gedichten.

Richtig.

Und nun, 16 Tage nach dieser letzten literarischen Katastrophe, dürft Ihr, wertes Publikum, Zeuge einer ganz besonderen Veröffentlichung werden. Ihr lest nun meine erste Ballade. Zum ersten Mal auch online.

Die Geschichte vom Wandrer und dem Schwein

Es ging einst ein keuscher Wandrer
am großen Fluss entlang
als plötzlich vor dem Wandrer
dem Fluss ein Tier entsprang

Das Vieh, es grüßte gerne
und stimmte Lieder ein
“Gu’n Tach, isch komm aus Herne”
Seht hin: Es war ein Schwein

Der Wandrer schnell sich drehte
“Ein Schwein aus einem Fluss?
Und dann auch noch aus Herne
mir platzen alle Nähte
Hier steh’ ich vor dem Fluss
ich komme aus der Ferne

Vom Süden komm ich her
der Weg war gar nicht leicht
nein, er war schwer bisher
Der Flusslauf stimmt mich seicht

Meine Füße tun mir
vom vielen Laufen weh
und dazu erscheint hier
mir keine gute Fee

drum frag ich dich
mein liebes Schwein
willst du heut’ für mich
mein treues Reittier sein?”

das Schwein, das überlegte
ob es das machen wollt’
ob es sich nun regte
den Wandrer tragen sollt’

“Das wird sicher schwierig,
doch ich bin so wie du
nach dem Wandern gier’ ich
was soll ich tun, was nu’?”

“Ich würd’ dich reich entlohnen
wenn wir am Ziele sind
ob früher oder später
ich reise stets geschwind”

Das Schwein entschied sich freudig
dem Wandrer beizusteh’n
und war auch mit ihm einig
durch die Welt zu geh’n

Die beiden waren munter
ganz gewiss das ist
einst fiel der Wandrer runter
das Schwein hat sich bepisst.

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Lügen II

Zum Jahreswechsel möchte ich allen Freunden schlechter Unterhaltung noch ein kleines Geschenk machen. Das drittletzte meiner alten Gedichte erblickt somit das digitale Licht der Online-Welt. Es heißt

 

Lügen II

 

Das sanfte Licht der Sonne

streift mitternachts durchs Land

des Himmels ganze Wonne

der Geister dunkle Hand

 

Am Tage hellt das Mondeslicht

das Landschaftsbild dezent

und scheint es doch so schlicht

des Nachts der Himmel brennt

 

Im Regen funkeln trockne Blätter

im seichten Sturmeswind

bei diesem eisig warmen Wetter

was für ein Scheiß, mein Kind

 
 

Einen guten Jahreswechsel und haltet alle Eure Vorsätze ein! Ich plane, dies zu tun…

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Liebe ist was schönes

Ich muss zuvor einschieben, dass ich zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Gedichts nicht den Hauch eines Schimmers davon hatte, was das ist: Liebe. Aber überzeugt Euch selbst:

Liebe ist was schönes

Je nach dem

wer mit wem

wo wie wann

was warum

hä? wieso

überhaupt

ist es so

dort und hier

droben da

auf dat Sims

komm do ma

unten hier

vorne weg

wie gesagt

wunderbar

dat is klar

zieh’ dich aus

leg’ dich hin

red’ mit mir

mach dich frei

zweierlei

scheint da mir

ins Gesicht

☹☹ sind’s

ziemlich geil

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Lügen

Spektakulärer Titel, aber es ist nur das nächste Gedicht. An alle Nicht-Interessierten: Klick auf das kleine Kreuz oben in der Ecke und alles ist wieder vorbei. Für alle anderen: Viel Spaß.

Lügen

Der Donner fegt über das Land

Der Regen peitscht auf das Dach

Wie eine Gewitterwand

doch die Uhr bewegt sich gemach

 

Häuser und Schuppen zerbersten

Groß ist im Sturme das Leid

Menschen sind immer die ersten

Unberührt ist die Zeit

 

Dunkelgrau ist das Himmelszelt

Und die Blitze leuchten weiß

nun habe ich Euch ein Märchen erzählt

denn draußen, da ist es heiß!

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App Store: Die RUB kommt an

Social Media: RUB kommt an. So lautete vor fast zwei Wochen die Überschrift einer Meldung im Aktuellportal der Ruhr-Universität, meinem Arbeitgeber und meiner letzten Ausbildungsstätte. Als jemand, der sich sehr stark mit der RUB identifiziert, habe ich wegen der Verbindung zu meinem Hobby, dem Internet oder der Social Media im speziellen, die Entwicklung der Uni in der digitalen Welt mitverfolgt, seit ich zuerst mit ihr in Kontakt gekommen bin.

Tatsächlich hat sich in den letzten Monaten viel getan: Die Facebook-Seite der Ruhr-Uni ist nun offiziell, auch einen entsprechenden Twitter-Account namens @ruhrunibochum betreibt die Stabsstelle “Strategische PR und Markenbildung” seit September selbst. Der Twitter-Account hatte zu dieser Zeit bereits etwa 1200 Follower, zuvor war er zwar aus der Uni heraus, aber nicht direkt von der Verwaltung betrieben worden.
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Vertrauter Ort

Der nächste Ausflug in die Welt der Kuriositäten und der Großartigkeiten steht an. Anschnallen!

 

Vertrauter Ort

Wo sommerzeits die Rosen blüh’n

Und im Herbste Eichen säh’n

Da zieht’s mich heute wieder hin

Da möcht’ ich über Leichen gehen.

 

Wo im Frühling Bäche rauschen

Und des winters Schnee hinfällt

An diesem Orte möcht’ ich lauschen

dieser Ort ist meine Welt.

 

Wo der Himmel blau und klar

der Ort, an dem ich früher war

wo ein Mann ein Kind gebahr,

Westerwald, oh wunderbar!

Sicherlich lyrisch eines meiner besten Stücke, wenngleich meine Heine-Faszination mich hier zugegebenermaßen zu schlimmerem verführt hat, als nötig gewesen wäre. Durch eine geschickte Abwandlung während der Digitalisierung habe ich die erneute Schwärzung eines Wortes hier umgehen können, so dass ihr für eine BEGRENZTE ZEIT das Gedicht im vollständigen Wortlaut lesen könnt. Ich möchte daher um flinke Lektüre bitten.

Darüber hinaus hoffe ich, dass ich euch die restlichen Gedichte überhaupt noch präsentieren kann, denn das Manuskript wurde in einem Greuelakt, den ich hiermit aufs äußerste verurteile, von der Katze angefressen. Ich habe bereits umfangreiche Sanktionsmaßnahmen eingeleitet, die für eine Besserung der Situation und des Verhaltens der Attentäterin sorgen sollten. Vollständig sicher kann man sich aber nie sein, also wünscht uns allen Glück. Wir werden es brauchen.

Lyrik II: Der/ Das Friedensreich ist nah

…und der Titel lässt es vermuten: Auch hier ist Friedensreich von Heidenbräu wieder das vielgeliebte Wappentier. Noch einmal, denn er gehört dazu:

Friedensreich von Heidenbräu

Hier einige der Kritikerkommentare von der Titelseite des zweiten Zyklus, der aus dem Jahr 2001 stammt (alles natürlich rein fiktiv):

“Zellmer ist wieder da! Ironischer und witziger denn je. Lacher sind garantiert!” – Zeit

“Durch seinen unerreichten Wortwitz und seine charmante Art, Dinge zu umschreiben, erobert wer wieder einmal das Zwerchfell des Lesers. Er ist erwachsen geworden.” – Hellmuth Karasek

“Zellmer wieder da! Haha!” – Bild

“Dieser Mann strotzt erneut nur so vor Ironie, Sarkasmus und polit-kritischer Satire. Explosive Unterhaltung für zwischendurch.” – FAZ

“Ein Jahrhundertwerk!” – Marcel Reich-Ranicki

Um die durch die Kritiken hervorgerufene Euphorie gleich im Vorhinein ein wenig zu dämpfen, muss dazu gesagt werden, dass die hier digitalisierten Originaldokumente den 29.01.2001 als Erscheinungstermin des zweiten Zyklus mit diesmal sieben Gedichten angeben. Eine durchdringende Evolution des Autors in Sachen Feinfühligkeit und lyrischem Geschick ist dementsprechend von den neuen Werken kaum zu erwarten. Aber eben darum seid Ihr ja hier: Um Euch selbst ein Urteil zu bilden. Und Potzblitz: Einen Vorgeschmack auf das, was kommt, gibt es sofort, denn Gedicht Nr. 1 ist kurz, bündig und charakterisiert “Der/ das Friedensreich ist nah” nur allzu treffend. Schnallt Euch an, an, AN, AN, es geeehhhhht LOS LOS LOS LOS….

Magd im Höllenfeuer

Als ich dereinst im Rasen weilte

und einer Magd die Füße feilte

und sie sich redlich amüsiert

da fragte ich sie wohl pikiert

warum ziehst du immer weg?

ist dies denn nicht zu deinem Zweck?

Oh nein, mein Herr, ich lache nur

weil ich dereinst des Eides schwur

nie auf einem fremden Rasen

einem Fremden ein Lied zu singen.

Letztlich ist ein seichter Hauch von Weiterentwicklung nicht von der Hand zu weisen. Insbesondere das Schriftbild auf den überlieferten Originalbögen ist sauberer, konzentrierter, vor allem durch das geringere Alter und die Behandlung des über den Jahreswechsel sichtlich gereiften Autors besser erhalten. Nichtsdestotrotz ist es noch immer deutlich zu früh, von einer Beherrschung der Muttersprache zu reden. Aber Ihr werdet es sicher selbst längst geahnt haben: Nicht zuletzt dient die Arbeit an diesen beiden Gedichtszyklen (deren Lektüre durch eine Laune des Autors selbst nun für immer und für alle öffentlich möglich ist) eben genau dieser.

Auch die nächsten Versuche entbehren einer räumlichen Ausdehnung, sollen dem amüsierten Leser aber schrittweise vorgestellt werden. Ein Blog zum Genießen eben. Auf bald!

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Wieso Grönemeyerismus?

Es geht um eine vor kurzem angekündigte Dortmund-Dependance der berühmt-erfolgreichen TV-Krimireihe “Tatort”, der von Lars Banhold am vergangenen Donnerstag bei jetzt.de mit erhobenem Zeigefinger zurechtgewiesen wird, sich aber nicht wehren kann. Wehren kann sich der jüngste Sprössling der traditionsreichen ARD-Koproduktion deswegen nicht, weil er quasi das ungeborene Kind in der Debatte ist: Die erste Folge werden hiesige Klischee-Fans erst im kommenden Jahr serviert bekommen.

Bezogen hat sich Banhold vermutlich auf die Ankündigung der Süddeutschen, deren Schirmherrschaft über jetzt.de steht, und die selbst nicht viel über den zu erwartenden Inhalt der Sonntagabend-Unterhaltung verrät. Vorgestellt werden die Darsteller und eine neue Erzählweise, einzig die Erwähnung des hier (zweifellos zu erwartenden) “typischen trockenen Humor[s] der Region” weist darauf hin, dass der WDR hier Gefahr laufen könnte, eine erneute Pottklamotte obersten Ranges in den Markt zu werfen, in dem der Tatort seine Position doch ohnehin sicher hat.

Kritisiert wird – jetzt schon – die Konzentration auf die stereotype Pottkultur eines Horst Schimanski, auf dreckige Industrieanlagen, in denen die Verfolgungsjagden noch kernig per Fuß erfolgen, auf Currywurst statt Haute Cuisine. “Wider den Grönemeyerismus” lautet der Titel, der eines der berühmtesten Kinder unserer Region brandmarkt als treulose Tomate, weil er seinerseits das Ruhrgebiet wohl nicht so ehrlich, bodenständig (oder gar angenehm) finden kann, wenn er selbst doch in England wohnt.

Nach einigen Diskussionen finde ich die Thematik wert, einmal meine Meinung dazu sagen, denn vielfach ist besagter Kommentar (bei jetzt.de als “Meine Theorie”) eingeordnet in meiner Facebook-Umwelt kommentiert und “geliked” worden. Zugegeben: Die in Sachen Geografiepenibilität großzügig zu bewertende Angabe, der Hauptdarsteller Jörg Hartmann stamme selbst aus dem Ruhrgebiet geht mir persönlich dann doch etwas zu weit – offiziell ist sie aber korrekt. Viel mehr kontroverses, schon gar nicht über den Klischeegehalt der neuen Tatorte, ist dort aber nicht zu finden. Eine der Vermittlerinnen ist türkischer Abstammung, spricht selbst aber kein Türkisch. Halte ich für durchaus im Bereich des Möglichen liegend. Damit mir keine Einseitigkeit unterstellt wird: Auch bei DerWesten, der Rheinischen Post oder gar dem WDR selbst finden sich keine konkreten Hinweise auf Klischeemeierei.

Und einmal ganz davon abgesehen, dass hier außerordentlich vorschnell geurteilt wird – über ungelegte Eier sozusagen – möchte ich doch einige Fragen aufwerfen, die ein Stück weiter gehen. Ich bin mir dessen bewusst und auch sicher, dass das alte Kohlen-, Kumpel- und Kiosk- (entschuldigung, “Buden”-) Image mittlerweile einer Evolution unterlegen sein sollte, die unsere schöne Heimat als nicht mehr ganz so dreckig, nicht mehr ganz so unfreundlich, nicht mehr ganz so hart erscheinen lassen sollte. Daran arbeiten Kultur, Städte, der RVR und wasweißichnichtnoch wer. Aber mal ganz im Ernst: Als was soll sich das Ruhrgebiet (oder Dortmund im Speziellen, das ich im Übrigen als Vertreter der Region akzeptiere, obwohl hier die Borussia zuhause ist) denn schon darstellen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass aktuelle Entwicklungen und der Technologie- und Dienstleistungsstandort “Pott” nicht bereits überregional bekannt sind. Zechenruinen, Industriemeilensteine, gigantische Kraftwerke, Kokereien etc. haben sich auch über die Region hinaus bereits als Nah- (oder Wenigernah-) Erholungsgebiet entpuppt, Wissenschaft und Forschung, Dienstleistung, Shopping: Nichts davon ist in Deutschland mehr zu finden als hier. Aber was unterscheidet uns am meisten vom Rest unserer Republik? Ist es nicht die Vergangenheit als Motor der deutschen Industrialisierung? Das kernige, das bodenständige, das ehrliche blablah. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir mit Ideen weiterhelfen könntet, was denn der neue Tatort als Eckpfeiler des Standorts Dortmund mit in die filmische Kulisse aufnehmen sollte. Ein bisschen Fußball gehört doch wohl dazu, schließlich ist hier der deutsche Meister zuhause. Nicht zu Unrecht verkündet Hauptdarsteller Hartmann, er fühle sich als Dortmunder, obwohl er selbst in Herdecke aufgewachsen ist, denn “halb Borussia Dortmund wohne” dort.

Kurz ist bei Banhold sogar ein Ansatz zum Rundumschlag angedeutet: In einer Klammer wird sozusagen nebenbei eröffnet, Paris sei ebensowenig romantisch wie das Ruhrgebiet. “Was?” möchte der klischeebehaftete Ottonormalbürger hier aus sich herausschreien: Paris nicht romantisch? Wenn die Welthauptstadt der Liebe, Paris, nicht romantisch ist, was um Horst Schimanskis Willen ist es dann? Wir sprechen vom konstruierten Image eines Standorts, einem Alleinstellungsmerkmal, letztendlich von Marketing, sei es nun gut oder schlecht. Ich bin der letzte, der behaupten würde, diese ganze Geldmacherei von wegen Grubenmann, Pottkind, Zechenkind, Kokereiwurst und wie sie alle heißen gingen ihm nicht reichlich auf den Christstollen. Fakt aber ist, dass irgendwo die Ideen herkommen müssen, und ich denke, jeder, der es besser zu wissen glaubt, ist hochwillkommen, eine aussagekräftige Bewerbung an die Marketingmaschinerie unserer Region zu senden. Funktionieren tut diese nämlich allemal und nicht alles an diesen eher tourismusorientierten Produkten (ginge es jetzt zu weit, den Tourismus als äußerst wichtig für das Ruhrgebiet noch mit hineinzunehmen?) ist schlecht, es sind nämlich massenhaft gute Ideen und qualitativ hochwertige Dinge dabei.

Langer Rede nicht ganz so kurzer Sinn: Ich appelliere erstens an die Geduld. Erst einmal abwarten und schauen, wie hier gewattet und gedattet wird, wie viel Bier und Currywurst am Büdchen konsumiert, wie viele Verfolgungsjagden zwischen alten Kohleförderungskomplexen absolviert und wie viel Dreck, Schmutz, Bodenständigkeit und Ehrlichkeit nun wirklich unsere vor Lebensstandard nur so strotzende, sauber glänzende und die Etepetete geradezu in sich aufgesogen zu haben scheinende neue Ruhrgebietskultur im neuen Tatort hinter sich versteckt. Beschweren können wir uns hinterher immer noch. Nicht ich, denn der große Tatort-Fan war ich noch nie, auch wenn ich genug davon gesehen habe, um beurteilen zu können, dass die jeweiligen Ausgaben von regionaler Verschiedenheit leben.

Zweitens muss jeder, der all die Stereotypen im Vorfeld schon aus seiner Idealvorstellung eines neuen Ruhrgebiets-Tatorts verbannt, sich Gedanken um Alternativen machen. Ich greife die Frage von oben wieder auf: Nennt die Dinge beim Namen und stellt ein schlüssiges Konzept vor, wie der Pott sich anderen gegenüber klar abgrenzbar positionieren kann, oder anders formuliert: Macht es besser. Ich bin mir recht sicher, dass die Verantwortlichen beim WDR sich der Problematik durchaus bewusst sind. Und ganz davon abgesehen, dass Grönemeyer Bochumer und nicht Dortmunder ist: Der Punkt ist doch nicht, wie fest jemand an der Region hängt. Meiner Meinung nach treffen all diese klischeehaften Adjektive, die hier verteufelt werden, weiterhin zu, wenn auch nur durch Marketing. Die Frage ist doch letztendlich nur, ob man es mag oder nicht.

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Der gehobene Stil

Gedicht Nr. 5 aus meinem ersten Zyklus wird nicht so gut herüberkommen. Konsequenz ist das Stichwort. Da sich hier bereits in “Ebendar” Die “Rated-R”-Mentalität eingeschlichen hat, bleibt mir nichts anderes übrig, als hier auch zu zensieren, und zwar exzessiv. Leider habe ich mir im Vorhinein nicht die Mühe gemacht, mir alle Werke in Ruhe noch einmal anzusehen. Ich wollte mich selbst überraschen lassen. Und wie es das Schicksal so will, stellt sich das heutige Stück leider nicht viel kooperativer dar – im Gegenteil. Denn über die Hälfte des Gedichts fällt hier dem Schwarzmarker zum Opfer. Warum ich es trotzdem veröffentliche? Ansonsten würde eben ein Fünftel (und nicht minder schwerwiegend: Das Schlusskapitel) des Zyklus schlicht fehlen, so ist es etwas weniger. Die ironische Aussage, die wir bereits aus “Ebendar” kennen, lässt sich dennoch gut herauslesen, auch wenn man nicht weiß, was sich hinter den beleidigt anmutenden Gesichtszeichen verbirgt. Und all das ist auch gut so.

 

Der gehobene Stil

☹ ☹ am ☹

☹ ☹ ☹ mal

Halt ☹ ☹☹

☹☹ dich du ☹☹ ☹

 

☹ ☹ ☹ ☹

☹☹ ☹☹

☹☹ ☹☹☹☹

☹☹☹ ☹☹

 

☹☹, ☹☹, ☹☹

☹☹, ☹☹, ☹☹

☹☹☹, ☹☹☹, ☹☹☹

☹☹☹, ☹☹, ☹☹☹

 

sind allesamt Wörter, die

meiner bescheidenen Meinung nach

der niveauvollen Konversationsweise

in keiner Form angehören

 

(Die hier geschwärzten Textstellen sind dem Autor bekannt.)

Letzten Endes finde ich, das Ihr mir dankbar sein könnt. Ganz davon losgelöst, dass heute Sonntag ist und ich Euch an diesem langweiligen Tag einige Minuten der Entspannung dadurch anbiete, dass Ihr hier jemanden vorfindet, der sich nicht zu schade ist, sich durch die Veröffentlichung seiner kreativen Ergüsse seiner Schulzeit (bzw. Deutschstunden) eine Blöße zu geben, die jeden anderen davon abhalten würde, sich je wieder unmaskiert auf der Straße blicken zu lassen. Davon abgesehen, dass es sich bei der hier angestoßenen Verbreitung früher Gedankengänge eines damals nicht nur mit sich unzufriedenen Schattengestalt des deutschen Schul-, aber auch Lyrikwesens um die Rebellion gegen die heutige gesamtgesellschaftliche Zurückhaltung, ja, Verklemmtheit handelt, und das obwohl ein so großer Teil des versunregelmäßigen Sechzehnzeilers hier (und wüsstet Ihr den Originaltext, würdet Ihr aufschreien: ZU RECHT!) dem Zensurapparat zum Opfer fallen musst.

Nein. Hier versucht jemand, sein Blog am Leben zu halten. Konsequenz ist also nicht nur hinsichtlich des angesprochenen Zensurapparates (der nebenbei sogar mit meiner wissenschaftlichen Beschäftigung zu tun hat) das Stichwort. Ich breche nicht einfach einen fünfteiligen Zyklus mitten im großen Finale ab, nur weil mehr als die Hälfte davon nicht veröffentlichungswürdig ist. Ich ziehe es durch. Ich erhebe die Hand gegen die Konventionen. Ich widerstehe! Um es mit den Worten von Kurt Tucholsky zu sagen, wie sie im Herren-WC im RUB-Gebäude GB im südlichen Treppenhaus auf Etage 1 am linken Urinal zu lesen sind: “Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!”

In diesem Sinne: Einen schönen Sonntag!

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